Es klingt im ersten Moment provokant.
Vielleicht sogar arrogant.
Warum auf Jugendliche setzen – und nicht auf Erwachsene?
Weil ich in den letzten Jahren etwas verstanden habe, das ich früher anders gesehen habe:
Nachhaltigkeit im Verein entsteht nicht dort, wo die meiste Erfahrung ist – sondern dort, wo Entwicklung möglich ist.
Erwachsene bringen Stabilität – aber selten Veränderung
In einem kleinen Verein mit wenigen aktiven Erwachsenen ist die Realität klar:
Diejenigen, die noch da sind, haben ihren Weg gefunden.
Ihre Spielweise.
Ihr Trainingsrhythmus.
Ihre Prioritäten.
Das ist kein Vorwurf.
Das ist normal.
Erwachsene kommen ins Training, wenn sie Zeit haben.
Sie spielen, wenn es passt.
Sie möchten ihren Sport ausüben – aber nicht zwingend ihr Verhalten ändern.
Und genau das ist der Punkt:
Erwachsene stabilisieren ein System.
Sie verändern es selten grundlegend.
Jugendliche sind noch formbar – im Guten wie im Schwierigen
Jugendliche dagegen sind anstrengend.
Unkonzentriert.
Launisch.
Unberechenbar.
Aber sie sind entwickelbar.
Technisch.
Mental.
Strukturell.
Wer 12 oder 14 Jahre alt ist, kann noch lernen, wie Training funktioniert.
Wie man sich vorbereitet.
Wie man mit Niederlagen umgeht.
Wie man Verantwortung übernimmt.
Das ist kein schneller Prozess.
Aber es ist ein nachhaltiger.
Wettbewerbsfähigkeit entsteht nicht von allein
Wir wollen wettbewerbsfähig werden.
Nicht im Sinne von Größenwahn – sondern im Sinne von Anschlussfähigkeit.
Wenn Erwachsene keine Spiele mehr gewinnen,
wenn Mannschaften nicht mithalten können,
wenn Perspektive fehlt,
dann hören Menschen auf.
Das habe ich oft genug erlebt.
Und die einzige realistische Möglichkeit, das langfristig zu verändern,
liegt im Nachwuchs.
Nicht in Transfers.
Nicht in kurzfristigen Lösungen.
Nicht im Hoffen auf engagierte Erwachsene.
Sondern in Ausbildung.
Das Risiko: Nicht alle bleiben
Natürlich ist es riskant, auf Jugendliche zu setzen.
Nicht alle bleiben.
Nicht alle sind trainierbar.
Nicht alle entwickeln Ehrgeiz.
Aber selbst wenn von zehn nur drei oder vier langfristig dabei bleiben,
entsteht etwas, das vorher nicht da war:
Substanz.
Und Substanz ist wichtiger als kurzfristiger Erfolg.
Eigene Kinder – und die Verantwortung dahinter
Ich habe drei Söhne.
Das macht diese Entscheidung persönlicher.
Ich möchte, dass sie eine gute Ausbildung bekommen.
Nicht nur technisch, sondern auch im Umgang mit Leistung und Verantwortung.
Aber ich möchte nicht nur für meine eigenen Kinder denken.
Ich möchte ein Umfeld schaffen, in dem Entwicklung möglich ist –
für alle, die diesen Weg gehen wollen.
Das ist kein Projekt für ein Jahr.
Es ist ein Prozess über viele Jahre.
Warum ich trotzdem Erwachsene brauche
Das heißt nicht, dass Erwachsene unwichtig sind.
Im Gegenteil:
Sie sind Vorbilder.
Sie tragen Mannschaften.
Sie halten den Spielbetrieb am Laufen.
Aber sie sind nicht der Hebel für strukturelle Veränderung.
Der Hebel liegt im Nachwuchs.
Fazit
Ich setze auf Jugendliche, weil dort die größte Hebelwirkung liegt.
Nicht, weil Erwachsene schlecht sind.
Nicht, weil ich jemanden ersetzen will.
Sondern weil ich glaube,
dass nachhaltige Vereinsentwicklung nur dann funktioniert,
wenn man bereit ist, in Entwicklung zu investieren –
auch wenn sie langsam, mühsam und unsicher ist.
Erfolg entsteht selten dort, wo man ihn kurzfristig erzwingen will.
Er entsteht dort, wo man konsequent aufbaut.
Und genau das versuche ich.
